Bildungsschatz Bibel

11. Die Verkündigung Jesu

| Matthäus | Markus | Lukas | Johannes |

Im Zentrum der Verkündigung Jesu steht die Botschaft vom nahen Reich Gottes. Daher muss man gut vorbereitet sein. Anders als Johannes der Täufer versteht Jesus das Reich Gottes nicht nur als zukünftig, sondern auch gegenwärtig. Indem Menschen durch Jesu Wunder heil werden, in Menschen die Saat der Worte Jesu aufgeht und Menschen liebevoll miteinander umgehen, beginnt das Gottesreich schon hier und jetzt (futurische und präsentische Eschatologie).
Kernstücke seiner Verkündigung kleidet er in Gleichnisse. Sie illustrieren mit Bildern aus der Umwelt, konkret, was mit éReich Gottes' gemeint ist.

In der Bergpredigt (Mt 5-7) »» fasst Matthäus das Herzstück der ethischen Verkündigung Jesu zusammen. Jesus stellt heraus, dass die bloße Einhaltung der Gesetzesvorschriften nicht ausreicht. Die innere Einstellung muss ebenso berücksichtigt werden wie das konkrete Verhalten. Und die muss bestimmt sein von Liebe und Versöhnung.

Eng mit seiner Verkündigung verbunden ist Jesu Leiden und Sterben. Jesus musste seinen Tod von vornherein in Kauf nehmen. Man legt sich nicht ungestraft mit den Machthabern (römische Besatzungsmacht und jüdische Obrigkeit) an.

Im NT wird der Tod Jesu aber als 'für uns' gedeutet. Um die Menschen wieder auf die richtige Bahn zu bringen, aus Liebe, stirbt Gott selbst am Kreuz und schließt damit die Kluft zwischen sich und den Menschen.

Gott erweist daraufhin seine Macht, indem er den Tötungsvollzug der Menschen an Jesus außer Kraft setzt, ihn zu neuem Leben erweckt und damit den Tod ein für alle Mal besiegt hat.


Motiv: Liebe

Liebe ist Ursprung und Grund für die tragfähige Verbindung zwischen Gott und Mensch. Die Liebe macht aber auch aus einem Menschen einen Mitmenschen. Christus ist Urbild solcher Liebe.

Die Geschichte der Nächstenliebe beginnt schon im Alten Testament. Am Feind soll man sich nicht rächen (Lev 19,18), dem Schwächeren soll man helfen, dem Fremden im Land soll man sich als gastfreundlich erweisen. Auch die Beziehung zu Gott soll von Liebe bestimmt sein.

Die Liebe zu Gott und zu den Nächsten wird schon im Judentum miteinander verbunden. Jesus hebt das Doppelgebot der Liebe aber besonders heraus und setzt es über alle anderen Gebote.



Palästina zur Zeit des Neuen Testamentes
(unter Herodes des Großen und seinen Söhnen)
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Religiöse Gruppen zur Zeit Jesu:

Die Sadduzäer

leiten sich von dem Hohenpriester Zadoq ab, der z.Zt. Salomos lebte (1.Kön.2,35). Sie spielten eine wesentliche Rolle beim Aufbau der Gemeinde und der Wiederherstellung des Tempeldienstes nach dem Babylonischen Exil. Zur Zeit Jesu stellen sie eine Art Priesteraristokratie dar und bilden gemeinsam mit den Pharisäern den Hohen Rat, das Selbstverwaltungsgremium der Juden. Konservativer als die Pharisäer, lehnen sie neuere Glaubensinhalte wie die Auferstehung ab und berufen sich vor allem auf das alttestamentliche Gesetz. Obwohl sie sich beim Aufstand gegen die Römer um Vermittlung bemühen, wird ihre Gruppe bei der Zerstörung des Tempels 70 n.Chr. aufgerieben.


Die Pharisäer,
(hebr. perushim = die Ausgesonderten)

ursprünglich Teil des Makkabäeraufstandes, trennen sich von den Hasmonäern und bilden, als diese das Hohepriesteramt übernehmen, eine geistliche Erneuerungsbewegung. Obwohl es zunächst eine Laienbewegung ist, übernehmen doch Schriftgelehrte (=Theologen) bald die Führung. Zur Zeit Jesu sind die Pharisäer längst aus der Opposition an die Macht gelangt und im Hohen Rat vertreten. Ähnlich wie die Sadduzäer legen die P. großen Wert auf die Einhaltung des Gesetzes, besonders der Reinheitsgebote, womit sie sich bewusst von den Amhaarez ("Volk der Welt") abheben.


Die Essener

sind erst in den letzten Jahrzehnten verstärkt in den Blick gerückt, da sie im Neuen Testament nicht erwähnt sind. 1947 fanden Beduinen im Höhlen am Toten Meer Schriftrollen mit Abschriften alttestamentlicher Bücher, deren Entstehung bis in das 4.Jahrhundert v.Christus zurückgeht und die damit die ältesten bis heute gefundenen biblischen Schriften bilden. Neben diesen biblischen Urkunden fand man aber auch Texte, die das Leben einer klösterlichen Gruppe beschrieben ("Gemeinschaftsregel"). Bei dieser Gruppe handelt es sich offenbar um Mitglieder der vom jüdischen Historiker Josephus erwähnten Bewegung der Essener (wohl von aramäisch "chasaja"=Fromme), die zur gleichen Zeit wie die Pharisäer entstanden.

In der Nähe der "Dead Sea Scrolls" fand man die Ruinen einer alten Klosteranlage. Man geht heute davon aus, dass das Kloster von Qumran Mittelpunkt der essenischen Bewegung war. Als die römische Armee 68 n.Chr. sich dem Kloster näherte, hat man offensichtlich die Schriftrollen luftdicht in Tonkrüge verpackt und in Höhlen versteckt, wo sie tatsächlich fast zweitausend Jahre überlebt haben; anders als die Essener selbst, die von den Römern aufgerieben wurden.

Die Essener glichen einem Mönchsorden mit ausserordentlich strengen Regeln. Die Mitglieder blieben ehelos, Arbeits- und Gebetszeiten wechselten sich ab. Lachen oder Reden während des Essens wurden mit monatelangem Ausschluss bestraft. Am Sabbat war jede Arbeit - selbst der Gang zur Toilette - verboten. Zentral im Kult waren Reinigungsriten, etwa das Untertauchen in Wasser.

Man hat stellenweise daraus geschlossen, dass die Christen sich von den Essenern ableiten. Tatsächlich erinnert der Bußruf Johannes des Täufers, seine asketische Erscheinung und seine Taufe zur Vergebung der Sünden sehr stark an essenische Praktiken. Jesus allerdings steht gerade den Reinheitsgeboten kritisch gegenüber (Mk.7,15). Statt in eine klösterliche Gemeinschaft beruft Jesus seine Jünger dazu, mitten in der Welt zu leben, und hebt den Unterschied zwischen Reinen und Sündern auf. Er gilt nicht als Asket, seine Gegner bezeichnen ihn einmal sogar als "Fresser und Weinsäufer" (Mt 11,19). Von daher wird die "Essener-Hypothese" heute nicht mehr ernsthaft innerhalb der Theologie vertreten.

Die Zeloten
(griech."Eiferer")

gehen auf ein Ereignis zurück, das im Zusammenhang mit der Geburt Jesu Aufnahme in das Neue Testament gefunden hat: Im Jahre 6 n.Chr. ließen die Römer eine Volkszählung in Judäa durchführen (Luk.2!). Für fromme Juden lag damit ein Verstoß gegen Gottes Gebot vor, der das ja schon zur Zeit Davids bestraft hatte (2.Sam.24). Unter Führung Simons des Galiläers bildeten sich Widerstandsgruppen, die die Römer in Partisanenkämpfe verstrickten und Steuern verweigerten. Auch zu den Jüngern Jesu gehörte ein ehemaliger Zelot, "Simon der Eiferer" (Luk.6,15); Jesus selbst lehnte allerdings den politischen Widerstand und die Steuerverweigerung ab: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist" (Mk.12,17).

Die Zeloten waren wesentlich am Aufstand gegen die Römer beteiligt und wurden bei der Zerstörung Jerusalems zu Hunderten gekreuzigt.



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